In der Matratzengruft

Erst ein Hexenschuss, dann die Grippe und jetzt bedankt sich mein Magen für das Durcheinander von Schmerz-, Fieber- und Vitamintabletten, das ich ihm tagelang zugemutet habe. Zwei Wochen liege ich in meiner Matratzengruft. Immerhin befindet die sich im Dachgeschoss, was mir detaillierte Einblicke in die Bausubstanz und Sozialstruktur der Nachbarschaft gewährt: bröckelnde Fassaden, kaputte Dächer und eine bucklige Alte, die einmal am Tag ihre Vorhänge zur Seite zieht. Hinter dem maroden Balkon eine Etage tiefer verwandelt sich ein Grossraumbüro jeden Abend in das Schlafzimmer einer jungen Familie mit Baby.

Manchmal lasse ich die Rollos auch tagelang unten. Dann folge ich Georgi Markov ins Bulgarien der Fünfziger und Sechziger Jahre. Seine „Reportagen aus der Ferne“ schrieb er von London aus, nachdem die Sozialisten ihn aus dem Land gejagt hatten. Dissidenten-Gelage am Schwarzen Meer, Ausflüge mit Diktator Schivkov ins Gebirge, irre Geschichten über sowjetische „Spitzenprodukte“, Nachdenken über die die bulgarisch-sowjetische „Freundschaft“.

Ich tauche ein in das paradiesisches Leben der Schriftsteller und Künstler dieser Zeit: ein gutes Gehalt, exklusive Wohnungen, subventionierte Strandurlaube, ein Studium für die Kinder – solange sie mitspielen natürlich. Als Markov das irgendwann nicht mehr tat, musste er gehen. Am 7. September 1978, dem Geburtstag Schivkovs, wurde er im Londoner Exil ermordet. Vom Geheimdienst und laut Ermittlungen per Giftspritze aus einem Regenschirm.

Auf Markov folgt Ilija Trojanows Bericht über die bulgarische „Wende“, die dem deutsch-bulgarischem Autor zufolge eher eine dreiste Umettikettierung des Bestehenden war. Dann kommen Karen Köhlers schöne Kurzgeschichten über kubanische Companeros auf deutschen Krebsstationen und andere Unwahrscheinlichkeiten und Ulla Lenzes „Endlose Stadt“, in der sich zwei Frauen zwischen Mumbai, Berlin und Istanbul in ein Netz aus Kunst, Liebe und Kapitalismus verstricken. Wie sehr fühle ich mit Teresa, der Journalistin, die sich angesichts all der in Mumbai auf sie einprasselnden Eindrücke unfähig fühlt, einen angemessenen Bericht an die Heimat-Redaktion zu schicken. Zu komplex die Realität, zu bruchstückhaft die eigene Erfahrung, zu anmaßend im Grunde der Anspruch, überhaupt irgendwas “Wahres“ über eine fremde Stadt sagen zu können. Fröstelnd falle ich in einen Fiebertraum.

Am nächsten Tag trampte ich mit dem jungen Amerikaner Richard nach Indien. Ja, wirklich, wir „trampen“! Anfang der Siebziger Jahre sind wir nicht die Einzigen, die auf der Suche nach dem Sinn des Lebens und einer Opiumhöhle in Goa irrwitzige Risiken eingehen. Von London über Paris, Assisi, Kreta und Istanbul in ein mit Pocken verseuchtes Ostanatolien. Mit dem Bus durch Iran und dem LKW durch Afghanistan und Pakistan. Endlich im Schoß von „Mother India“ reisen wir in übervollen Dritteklassezügen von Guru zu Guru, von Festival zu Festival, von Kloster zu Kloster. Wir erklimmen den Himalaja, schlafen in Höhlen und einmal ertrinken wir fast im Ganges. Die meiste Zeit aber verbringen wir krampfend auf der Latrine.

Sicher manche Nächte verbringe ich auch mit Francis und Clarie Underwood in Washington. Als die sich trennen, kämpfe ich mit Peggy Olsen gegen die Mad Men und irgendwann gehe ich sogar mit den skrupellosen „Suits“ lunchen. Schlafwandlerisch wechselte ich zwischen Francis’ Südstaaten-Slang, Herrenwitzen der Sechziger und dem ekelhaften Powertalk des neuen Jahrtausends.

Bevor ich mich in die Kinderwelt von „To kill a mocking bird“ versenke, muss ich doch einmal raus. Der Magen rumort wieder. Draußen liegt Schnee. Der Bürgersteig ist abgesperrt. Eine Lawine muss vom Dach gefallen sein, jedenfalls türmt sich das Weiss. Ich kann mich nicht orientieren. Sieht alles so anders aus als auf der Madison Avenue, auch als Mumbai so wie ich es mir vorstelle. Wo war noch die Apotheke?

Ich laufe wie in einer Blase. Die Ohren betäubt, Nase verstopft, ein leichter medicine-rush im Kopf. Als ich vor dem Apotheker stehe, will die Zunge nicht recht. Welche Sprache soll’s denn jetzt sein? Underwood-Slang? Hindi? Balkan-Englisch? Der Apotheker grinst und antwortet auf Deutsch.

Wieder auf der Strasse fühle mich verloren. Ich habe keine Orientierung mehr – keine Stimme, kein Ich. Was soll ich bloß hier? Auf diesem kaputten Gehweg in Sofia, dieser fremden Stadt, die ich nicht verstehe und sie mich erst recht nicht? Ich will wieder zurück in meine Dachkammer. In meine Matratzengruft, wo ich die Rollos runterlassen kann, damit ich das Nachbarhaus nicht sehe, nicht die kaputten Dächer und Balkone und auch nicht den Himmel, den grauen. In meinem Nest über der Stadt fühle ich mich geborgen – in Literatur und Geschichten, umgeben von New Yorker Anwälten, kubanischen Kompaneros, iranischen LKW-Fahrern und indischen Yogis. Das „mockingbird“ wartet schon.

Know How (bulgarisch Nou Hau)

Kaum hat der Ex-Rockbandmanager, Kite-Surfer und heutige Immobilienentwickler drei Worte mit mir gewechselt, bietet er mir einen Job in seinem Yogastudio an. Nicht als Aushilfe hinter dem Counter, sondern als vollwertige Yogalehrerin mit fester eigener Stunde. Zwar praktiziere ich seit ein paar Jahren intensiv Yoga, habe aber (bisher) weder ein Teacher Training absolviert, noch jemals versucht, jemand anderen in den abwärtsschauenden Hund zu bringen. Außer meinem Freund natürlich. „Ach, sei nicht so deutsch“, sagt der Ex-Rockbandmanager. „Mit Deiner Disziplin und deutschen Gründlichkeit wirst Du besser unterrichten als alle unsere jetzigen Lehrer zusammen.“

Drei Tage später stehe ich auf dem Tartanboden seines Studios, einem umgebauten Apartment im Stadtzentrum, und dehne meine meine Beine. Lilly, die Ex-Freundin des Rockbandmanagers, hat sich eine eigene Yoga-Choreographie ausgedacht und probiert sie an ihren aktuellen und verflossenen Liebhabern aus, darunter Investoren aus dem westlichen Ausland. Die meisten jedoch sind junge Frauen, einige avancierten nach nur sechs Monaten „Lilly-Training“ sogar selbst zu Lehrerinnen. Nach der Stunde küsst Lilly alle herzlich.

Die Gespräche mit Lillys Fanclub bestätigen, was ich bei der Internet-Recherche nach guten Studios schon ahnte. Yoga bewegt sich in Bulgarien irgendwo zwischen Hardcore-Esoterik und professioneller Nagelpflege. Die meisten haben einen intuitiven Zugang dazu und praktizieren den herabschauenden Hund genauso wie sie Wahrsagerinnen konsultieren und Ikonen im Wohnzimmer aufhängen. Die Frage nach einer Ausbildung ist dabei so idiotisch wie einen Hirten im Pirin-Gebirge nach einem Bio-Siegel zu fragen.

Wieder einmal muss ich feststellen, dass ich deutscher bin, als ich zugeben will. Abschlüsse und IHK-Zertifikate zählen mir offensichtlich mehr als eine Stunde authentisch-bulgarisches Schwitzen mit bewegten Mittvierzigerinnen und gut aussehenden Investoren.

 

Grausame Grammatik und zwielichtige Webdesigner

Meine deutsche Disziplin verlässt mich leider beim Bulgarisch-Lernen. Einen Monat lang zeige ich guten Willen, aber schließlich beende ich zeitweilig den Versuch. Nach eingehender Recherche hatte ich einen Sprachschule in meiner Nähe gefunden, die mit spielerischem Lernen und einem selbstentwickelten Bulgarisch-Kurs warb, der angeblich einen Preis von der Europäischen Union gewonnen hatte. Meine Lehrerin, eine junge Skandinavistin, wirkt sympathisch. Doch der Schein trügt. Weder existiert das von das EU-geförderte Bulgarisch-Buch, noch die selbst produzierten Audio-Beispiele. Die sympathische Lehrerin entpuppt sich als Paukerin russischen Stils, die statt der versprochenen Konversation eine Grammatiklektion nach der anderen durchpeitscht. So gewinnt man vielleicht Preise bei der Europäischen Union, aber einen Rakia werde ich damit nie bestellen können.

Nun gibt mein Freund mir Hin und Wieder Bulgarisch-Unterricht. Obwohl er neun Sprachen beherrscht, die er sich größtenteils selbst beigebracht hat, hat er kein Verständnis, wenn ich bis heute manche kyrillischen Buchstaben verwechsle. Vielleicht bin ich aber auch einfach faul und unbegabt.

Mehr Eifer lege ich beim Tagebuch-Schreiben an den Tag. Die absurden Geschichten drängen ans Licht und ich mache mich auf die Suche nach einen Webdesigner, der mir auf „give-and-take“ Basis beim Aufbau eines Blogs helfen kann. Über das Co-working office, in das ich mich eingemietet habe, bekomme ich eine Handvoll Namen und so sitze ich eines Mittags (eigentlich waren wir ja für 10 Uhr verabredet) mit einem Bärtigen vor meinem Laptop. Es stellt sich heraus, dass er zwar eine Seite hat, die er selbst gebaut hat. Das hat aber mehrere Monate gedauert und das Resultat wirkt so zusammengewürfelt wie Lillys Yogakurs. Seine Hilfe sieht so aus, dass er schweigend neben mir sitzt, während ich herausfinde, wie man Farben ändert, und in Foren lese, wie man Videos integriert.

Später treffe ich noch zwei „echte“ Webdesigner, einer Dozent an der Uni, der andere „Head of Digital“ in einer Werbeagentur. Die könnten mir den Blog natürlich innerhalb kürzester Zeit fertig stellen. Allerdings wollen sie von mir als Deutscher einen Preis, den nicht einmal ein Berliner Agenturchef in Rechnung stellen würde.

 

Europäisches „Know How“ beim Frisör und im Strassenbau

Das Gelb-Orange-Pflaume der meisten Bulgarinnen macht mir nicht viel Hoffnung. Aber langsam muss ich wirklich zum Frisör. Ich verlasse mich auf die Empfehlung einer bulgarischen Freundin, die in Frankfurt gern zu Vidal Sassoon geht. Der Name des Salons, „Know How“ (Bulgarisch „Nou Hau“ geschrieben) verspricht einiges und auf ihrer Seite werben sie mit „europäischen Standards“, die sie in Paris und London kennen gelernt hätten und auch in Sofia hochhalten würden.

Mit seinen rohen Wänden, freistehenden Spiegeln und aggressiver Technomusik würde der Laden gut ins Berlin der Neunziger passen. Das gleiche gilt für den Toni & Guy-Umhang, den mir mein Frisör, ein 25-jähriger Hipster, mit großem Tamtam umwirft. Ohne die Genehmigung des Londoner Friseurunternehmens natürlich, wie mir die Chefin später verrät. „Die wollen hier nicht investieren. Zu wenig anspruchsvolle Kunden, die bereit sind für Qualität zu zahlen.“

Nachdem ich meinem Hipster mit Händen und Füßen zu erklären versucht habe, wie ich meine Haare will und wir uns schließlich auf ein Bild aus einem Katalog einigen, offenbaren sich seine „europäischen Standards“: Ein wildes Schnipp-Schnapp in alle Richtungen, stundenlanges Föhnen von links nach rechts und am Schluss ein halber Liter Seifenwasser statt Haarspray. Links sind die Haare kürzer als rechts und „irgendwie wild“ – so wollte ich es doch haben, oder?

Auch im Strassenbau werden seit Neustem „europäische Standards“ eingehalten. Dank der Subventionen aus Brüssel sind sogar entlegenen Strassen im Rhodopen-Gebirge teilweise befahrbar. Es ist so viel Geld da, dass überall wie wild geteert, gepflastert und erweitert wird.

Das Ergebnis sieht dann mitunter so aus:

Strassenhindernisse

 

PS: Noch wehre ich mich, in diesen Erfahrungen das Klischee von den niedrigeren Standards in Osteuropa und dem „Auf dem Balkan macht jeder, was er will, egal, ob er es kann“-Gerede bestätigt zu sehen. Natürlich gibt es in Bulgarien hervorragende Yogalehrer, Bulgarischlehrer, Webdesigner, Frisöre und Strassenbauer. Ich habe sie bisher nur noch nicht kennengelernt.

Carmen im Schnee

Es schneit und schneit und schneit. Schon seit Tagen. Wohlig wollen wir uns in einen Kinosessel werfen und den neusten bulgarischen Blockbuster sehen. Dank des internationalen Filmfestivals laufen die für ein paar Wochen mit englischen Untertiteln. Als wir mit dem Strom der Menge aus der U-Bahn laufen, kommen wir an einer Frau vorbei, die betörend schön das Ave Maria singt. Die ganze Unterführung, dunkel und grau und in den Ecken elendig stinkend, ist erfüllt von ihrer Stimme. Wie alle haben wir es eilig und huschen schnell an ihr vorbei. Es bricht mir das Herz, ihr nichts zu geben, aber dem anerkennenden Blick, den ich ihr wenigstens schenken will, weicht sie aus.

Zwanzig Minuten später (der Film war leider schon ausverkauft) schlendern wir den Pracht- und Einkaufsboulevard Vitosha entlang. Bezaubernde Stimmung an einem bitterkalten Sonntagabend: Es liegen schon zwanzig Zentimeter Schnee und es rieselt immer weiter.  Plötzlich kommen uns Opernmelodien entgegen. Die Frau aus der U-Bahn steht im Eingang von „More&More“, wo alles gerade zur Hälfte rausgeschmissen wird, und singt Carmen. Wunderschön und mit Feuer in der Stimme. Sie muss professionelle Sängerin sein. Neben ihr ein uralter Laptop und ein Kinder-Lautsprecher, aus dem das Orchester kommt. Passanten bilden einen Kreis, sie tritt aus dem Eingang heraus und tanzt und dreht sich in den Flocken als stände sie tatsächlich auf der Bühne. Stolz, mit Glut in den Augen.

Die Menschen klatschen, Bravorufe. Alle zücken ihre iphones, aber mir ist es peinlich das jetzt aufzunehmen. Eine bulgarische Carmen mit selbst gestrickter Mütze und blauen Lippen. Eine Frau im Pelzmantel drückt der Sängerin einen Geldschein in die Hand. „Gehen Sie nach Hause, es ist kalt. Sie müssen auf Ihre Stimme achten“, übersetzt mir Jani. Die Sängerin schlägt die Augen nieder und singt die nächste Arie. Diesmal auf italienisch.

Auch wir legen etwas in den Papierbecher. Zehn Leva (umgerechnet fünf Euro). Ich frage mich noch, ob das nicht zu viel ist. Als ich zu Hause meinem Mantel in den Schrank hänge und all die teuren Kleider sehe, die ich aus Deutschland mitgeschleppt habe, schäme ich mich.

 

PS: Ein paar Tage später sehen wir einen Bericht im Fernsehen. Eine bulgarische Opernsängerin ist nach zwanzig Jahren in Australien nach Hause zurückgekehrt. Sie hat  noch kein Engagement hier, aber sie hatte so Heimweh.

 

https://www.youtube.com/watch?v=OYfMRZTDLZQ

Plädoyer für ein Leben im Abseits

Warum ich ein Leben in Bulgarien versuche

Bulgarien? Ziehst Du dann nach Bukarest? Das fragte eine Freundin, als ich ihr ankündigte, für ein halbes Jahr oder mehr in den Osten zu gehen. Bulgarien mit Rumänien zu verwechseln oder wenigstens ihre Hauptstädte durcheinander zu bringen, ist für eine promovierte Völkerrechtlerin und überzeugte Europäerin zwar peinlich – schliesslich hatten besagte Freundin und ich vor zehn Jahren an dieser Pariser Elitehochschule noch alle Länder der Erde samt Hauptstadt und Bruttosozialprodukt auswendig gelernt – aber immerhin mehr als ein Schulterzucken. Denn das war die häufigste Reaktion, die ich mit der Verkündigung meiner Pläne erntete.

Skipisten und Sandstrände? Erfinder des Joghurts? EU-Mitglied? NIEMALS!

All das zeigt, wie relevant Südosteuropa für Menschen aus dem Zentrum Europas ist. Nämlich gar nicht.

Ehrlich gesagt, ging es mir ähnlich, bevor ich vor sechs Jahren meinen Freund kennenlernte. Als gebürtiger Bulgare, der nach zwanzig Jahren in Deutschland fast mehr Fremdwörter beherrscht als ich, muss er sich beim ersten Kennenlernen den immer gleichen Spruch anhören: Jani? Ist das eine Abkürzung? Bist Du Grieche? Ich geb’s zu:  Das hab ich ihn auch gefragt.

Dann kamen verliebte Tage am Schwarzen Meer,  Ausflüge zu einsamen Bergdörfern und sowjetischen Denkmälern, Aufwachen zu Hahnengeschrei und ein Paprikasommer, dessen Düfte ich nie mehr vergessen werde. Sicher,  es knallte auch ein Schuss durch die Sommernacht, weil sich zwei Stiernacken beim Rakia in die Haare gekommen waren. Und die Roma-Kinder, die auf ihren Pferdefuhrwerken an den schicken Bars der Hauptstadt vorbei kutschierten, ließen gesellschaftliche Untiefen erahnen, von denen nichts in den Berichten an die EU-Kommission in Brüssel steht.

Für mich war Bulgarien eine fremde Welt, die mich rätselhaft anzog. Balkan – nur viel freundlicher als Ex-Jugoslawien, dessen Kriegsflüchtlinge in den Neunzigern in meine Klasse kamen. Vor allem aber spürte ich bei meinem Freund und allen Exil-Bulgaren, die ich mit der Zeit kennenlernte, etwas, das ich nicht kannte und um das ich sie heimlich beneidete. Eine heiße Sehnsucht nach dem Land ihrer Kindheit, ein unterschwelliges „Wenn es hier nicht klappt, kann ich immer noch nach Hause zurück.“

Als sich dann ein Schlupfloch in unseren Arbeitsverträgen ergab, war klar: Wir versuchen ein Leben in Bulgarien – in der Hauptstadt SOFIA. Mal sehen, wie lang es uns gefällt.

Ein Leben am südlichen Rand Europas, abseits vom Wahren, Guten und Schönen, jedenfalls von allem, was die deutschen Feuilletons interessiert. Kurz: Ein Desaster für meinen Lebenslauf. Die Bekannten mit den guten Jobs zogen die Augenbrauen hoch. Der Onkel, der seine Patentochter endlich im „wahren Leben“ mit sozialversichungspflichtigem Job sehen möchte, sah Hopfen und Malz verloren. Ganz zu schweigen von der Oma, die „den Osten“ nur aus den Fronterzählungen ihres verstorbenen Mannes kennt. Aber alle wussten: Das Abseitige hat mir schon immer gefallen.

Da bin ich nun also: In Sofia, der Hauptstadt Bulgariens. Dieser Blog erzählt von meinem Leben hier.